Die Realität ist anspruchsvoll, aber gestaltbar
berichtet Dr. Welling mit Blick auf das Marktbarometer, das die WBA gemeinsam mit Meusburger erhebt. Diese Einschätzung basiert auf belastbaren Daten. Die WBA verfügt über einen einzigartigen Zugang zu den Leistungskennzahlen aus dem Excellence in Production Wettbewerb. Ergänzend dazu schafft das Konsortialbenchmarking im Bereich EDM eine neue Qualität der Transparenz. Es ermöglicht Unternehmen, ihre Leistungsfähigkeit in der Funkenerosion mit dem Markt zu vergleichen und konkrete Potenziale sichtbar zu machen.
Diese Entwicklungen zeigen, wie wichtig eine starke und gut vernetzte Gemeinschaft für die Zukunft der Branche ist. Die WBA arbeitet mit über 90 Mitgliedsunternehmen an innovativen Lösungen und verbindet auf dem RWTH Aachen Campus Wissenschaft und Industrie. Erkenntnisse aus beiden Welten gelangen so schnell in die Praxis. Die WBA betreibt gemeinsam mit den Unternehmen vorwettbewerbliche Forschung, entwickelt praxisnahe Lösungen, erprobt diese im eigenen Demonstrationswerkzeugbau und überträgt sie anschließend direkt in den betrieblichen Alltag. Auf diese Weise entsteht ein Netzwerk, das Herausforderungen teilt, voneinander lernt und Innovationen ohne Umwege in die Anwendung bringt.
Standardisierung als Fundament der Automatisierung
Eine der zentralen Erkenntnisse in diesem Themenfeld lautet: Der Weg zur Automatisierung beginnt lange vor der Maschine und entsteht durch konsequente Standardisierung. In zahlreichen Gesprächen der vergangenen Jahre und auch heute wird deutlich, dass viele Unternehmen diesen Schritt gehen möchten und den damit verbundenen Mehrwert klar erkennen.
Dr. Welling wird im Kontext der Drahtfunkenerosion sehr konkret:
Solche Abweichungen entstehen häufig bereits in der Konstruktion und wirken sich entlang der gesamten Prozesskette aus. Im EDM Benchmarking zeigt sich sehr deutlich, wie unmittelbar fehlende Standardisierung die Durchlaufzeiten, die Qualität und die Automatisierungsfähigkeit beeinflusst. Wer technologisch aufholen oder sich differenzieren möchte, muss daher deutlich früher ansetzen. Gleichzeitig betont Dr. Welling:
Standardisierung darf nicht zum Selbstzweck werden. Sie muss Freiheitsgrade erhalten, insbesondere in einer Zeit sehr dynamischer Marktveränderungen.
Automatisierung: Wo heute der größte Nutzen entsteht
stellt Dr. Welling klar. Dies gilt sowohl für die Drahterosion als auch für die Senkerosion.
Gerade in der Drahterosion bestehen weiterhin technische Herausforderungen, etwa beim Umgang mit Ausfallteilen oder der Positionierung von Führungs- und Spülköpfen. Dennoch zeigt die WBA-Community, dass automatisierte Drahterosion realisierbar ist und bereits in vielen Betrieben erfolgreich umgesetzt wurde. Die gemeinsamen Erfahrungen und der kontinuierliche Austausch verschaffen den Unternehmen Orientierung darüber, wo sie im Markt stehen und welche Maßnahmen in der Praxis tatsächlich Wirkung entfalten.

Voraussetzungen für erfolgreiche Automatisierung
Automatisierung löst keine Prozessschwächen, sie verstärkt sie. Die Erfahrung aus zahlreichen Projekten und aus dem Austausch in der Community und mit Partnern zeigt, dass Betriebe mit einem geringen Reifegrad nur begrenzten Nutzen aus Automatisierungsinvestitionen ziehen.
Ein zentrales Instrument ist das Lastenheft. „Das Lastenheft ist das zentrale Bindeglied zwischen Kunde und Hersteller", betont Dr. Welling. Zu häufig werden hohe Investitionen ohne ausreichende Vorbereitung getroffen. Eine strukturierte Lastenheftentwicklung schafft Klarheit, reduziert Risiken und verbessert die Ergebnisqualität. Hier arbeitet die WBA eng mit dem Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen zusammen, das über umfassende Expertise in der Entwicklung komplexer Maschinen und Automationsanlagen verfügt.
Automatisierung muss zudem immer mit Blick auf die Zukunft gedacht werden. Sie darf nicht nur den heutigen Bedarf abbilden, sondern muss eine Grundlage für zukünftige Entwicklungen schaffen. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Forecast. Wie entwickelt sich der Bedarf an Neuwerkzeugen und Ersatzteilen? Welche Kapazitäten werden künftig benötigt? In der aktuellen Marktsituation ist es jedoch äußerst anspruchsvoll, belastbare Prognosen zu erstellen. Daher arbeitet die WBA mit Daten aus Forschung und Industrie sowie mit Einschätzungen erfahrener Marktanalysten. Diese Analysen ermöglichen es, wirtschaftlich sinnvolle Maßnahmen abzuleiten und Ressourcen langfristig auszurichten.
Der Wert der Neutralität
Die WBA berät herstellerunabhängig. Dieser Vorteil ist für Dr. Welling zentral:
Die Kombination aus Demonstrationswerkzeugbau, produktiver Lohnfertigung und systematischer Datengrundlage verschafft der WBA eine authentische und objektive Perspektive. „Wir kennen nicht nur die Theorie. Wir kennen auch die Herausforderungen unserer Kunden. Wir erleben sie selbst."
Effizienzsteigerung durch systematische Entwicklung
Unternehmen, die über zwei bis drei Jahre mit der WBA zusammenarbeiten, erzielen messbare Verbesserungen in Kosten, Durchlaufzeiten und Qualität. Die systematische Analyse der Prozesse und der kontinuierliche fachliche Austausch ermöglichen es, konkrete Ansatzpunkte für Verbesserungen entlang der gesamten Prozesskette zu identifizieren. Dadurch erkennen Unternehmen, welche Maßnahmen tatsächlich Wirkung entfalten und wie sie ihre Position im Markt nachhaltig stärken.
Der Appell: Nach innen schauen
Dr. Welling formuliert eine klare Botschaft:
Historisch gewachsene Prozesse, die nicht mehr hinterfragt werden, verursachen oft erheblichen Aufwand. Entscheidend ist, den Mut zur Veränderung aufzubringen und die Bereitschaft zur Weiterentwicklung zu fördern.
Die digitale Dimension: Agentifizierung im Werkzeugbau
Intelligente Softwareagenten eröffnen Werkzeugbauunternehmen neue Möglichkeiten, ihre Auftragsabwicklung deutlich zu beschleunigen und Mitarbeitende spürbar zu entlasten. „Wir entwickeln Agenten, die nicht wertschöpfende Tätigkeiten reduzieren, Informationen automatisiert aufbereiten und Prozesse spürbar beschleunigen", erklärt Dr. Welling.
Konkret bedeutet das: Schnellere Angebotserstellung, effizientere Arbeitsvorbereitung und optimierte Abläufe von der Kundenanfrage bis zum Try-Out. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels lassen sich vorhandene Ressourcen so deutlich effektiver nutzen. Durchlaufzeiten verkürzen sich, und Mitarbeitende gewinnen Zeit für anspruchsvolle Engineering-Aufgaben. Der Ansatz bietet dabei Potenzial für die gesamte produzierende Industrie. Ein zentrales Prinzip ist die Datensouveränität. „Die Daten bleiben in Deutschland. Das ist für Vertrauen und Akzeptanz entscheidend", betont Dr. Welling. Dies ermöglicht Unternehmen, innovative Technologien ohne Bedenken hinsichtlich Datenschutz einzusetzen.
Die Lösungen entstehen in enger Zusammenarbeit zwischen Forschung, Demonstrationswerkzeugbau und Industrie. Durch praktische Erprobung und direktes Feedback entwickeln sich Agenten, die echte betriebliche Herausforderungen lösen. Die technologische Umsetzung erfolgt gemeinsam mit dem Partner HIQS.

Fazit: Automatisierung als strategische Chance
Automatisierung in der Funkenerosion bietet erhebliche Potenziale, sofern die Grundlagen stimmen. Dazu gehören klare Standards, stabile Prozesse, eine vorausschauende Planung und neutrale Expertise. Die WBA unterstützt Unternehmen dabei, Transparenz über ihre Abläufe zu gewinnen, Potenziale zu identifizieren und wirtschaftlich relevante Verbesserungsmaßnahmen abzuleiten.
Gleichzeitig entwickelt die WBA mit der Agentifizierung einen weiteren zentralen Baustein für die Zukunft der Branche. Intelligente Softwareagenten sollen Unternehmen dabei unterstützen, ihre Prozessketten schneller, flexibler und effizienter zu gestalten und damit einen zusätzlichen Wettbewerbsvorteil zu schaffen.
beschreibt Dr. Welling die Rolle der WBA. Ziel ist es, Unternehmen in ihrer Transformation zu begleiten und Lösungen zu entwickeln, die ihre Wettbewerbsfähigkeit sowohl heute als auch langfristig stärken.
Über die WBA Aachener Werkzeugbau Akademie
Die WBA ist der führende Partner des Werkzeugbaus in den Geschäftsfeldern Beratung, digitale Lösungen, Weiterbildung und Forschung. Mit über 90 Mitgliedsunternehmen entwickelt die WBA-Community innovative Lösungen für die Branche.
Weitere Informationen: www.werkzeugbau-akademie.de
Lesetipp: Die WBA veröffentlicht regelmäßig frei verfügbare Studien, darunter die aktuelle Studie zum "Erfolgreich Daten analysieren im Werkzeugbau", um Wissen in die Branche zu tragen und den deutschen Werkzeugbau zu stärken.
